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Technik6 Min. Lesezeit

Stürzende Linien begradigen

Kaum ein Detail entlarvt einen schnellen Handyschnappschuss so sehr wie Wände, die oben zusammenlaufen. Das Auge merkt sofort, dass etwas nicht stimmt, auch wenn die meisten Betrachter nicht benennen könnten, was.

Wohnzimmer nachher: aufgehellt und begradigt, Raum wirkt größer.Wohnzimmer vorher: unterbelichtet und leicht schief aufgenommen.VorherNachher
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Wohnzimmer mit Sofa

Stürzende Linien entstehen, sobald Sie die Kamera nach oben oder unten kippen. Halten Sie das Gerät leicht schräg, um die Decke mit aufs Bild zu bekommen, laufen die senkrechten Wandkanten nach oben aufeinander zu. Physikalisch ist das korrekt, aber unser Gehirn erwartet bei Architektur gerade Vertikalen, und genau deshalb wirkt das Foto unruhig.

Warum das bei Immobilien besonders auffällt

Ein Wohnzimmer besteht fast nur aus senkrechten und waagerechten Kanten: Türrahmen, Fenster, Schränke, Wandanschlüsse. Kippt eine einzige davon, sticht es hervor. Bei einem Landschaftsfoto verzeiht das Auge viel, bei einem Raum verzeiht es fast nichts. Interessenten empfinden ein leicht verzogenes Foto unbewusst als unprofessionell und übertragen das auf die Immobilie.

Am besten schon beim Fotografieren vermeiden

  • Halten Sie die Kamera auf Brusthöhe und so gerade wie möglich, statt sie zu kippen.
  • Nutzen Sie die Wasserwaage oder das Gitter, das fast jede Kamera und jedes Handy einblenden kann.
  • Treten Sie einen Schritt zurück, statt nach oben zu schwenken, wenn oben etwas fehlt.

Und in der Nachbearbeitung

Nicht jeder Raum lässt sich perfekt aufnehmen, und genau dafür ist die Perspektivkorrektur da. Sie richtet die senkrechten Kanten wieder auf, sodass Türen und Fenster stehen, wie sie in Wirklichkeit stehen. Wichtig ist das Maß: Eine leichte Korrektur wirkt natürlich, eine übertriebene streckt den Raum und lässt Decken zu hoch erscheinen. Ziel ist ein Foto, das aussieht wie der Raum beim Besichtigungstermin, nicht wie ein verzerrtes Panorama.

Das Begradigen ist eine reine Bildkorrektur und keine Veränderung der Immobilie. Sie zeigen dieselben Wände, dieselben Proportionen, nur ohne den Kippfehler der Kamera. Deshalb braucht eine Perspektivkorrektur auch keinen Kennzeichnungshinweis: Der Interessent sieht am Ende genau das, was er auch vor Ort sehen würde.